SPÖ Frauen luden kritische deutsche Volkswirtin Friederike Spiecker nach Linz
„Gesamtwirtschaftliches Denken ist die Voraussetzung für eine realistische Wirtschaftspolitik“, das machte die kritische deutsche Volkswirtin Friederike Spiecker bei einem überaus informativen Workshop, zu dem die SPÖ Frauen am Samstag, 4. Februar in das Ernst Koref Haus in Linz eingeladen hatten, deutlich. Kenntnisreich und mit verständlichen Worten erklärte sie den rund 30 interessierten Teilnehmerinnen die Ursachen der Eurokrise. Und niemand müsse ein Volkswirt/eine Volkswirtin sein, um die Zusammenhänge zu begreifen, es gehe darum, sie logisch zu verstehen, betonte Spiecker.
Warum der Hebel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze Investitionen sind und nicht kurzsichtiges Sparen in der Manier einer schwäbischen Hausfrau, wie es die deutsche Bundeskanzlerin formulierte, erklärte Friederike Spiecker umfassend und einleuchtend. „Ein Land kann für seine Zukunft nicht sparen, es muss sinnvoll investieren!“ Die Ökonomin machte auch deutlich, warum Deutschland durch das permanente Unterschreiten der mit der EZB vereinbarten Zielinflationsrate von zwei Prozent ebenso mitverantwortlich für die Krise ist und warum nur mit einer strikten ordnungspolitischen Regulierung der Finanzmärkte die Eurokrise in den Griff zu bekommen ist. „Nicht die Staaten, „Stichwort Schuldenbremse“, sondern die Banken müssen diszipliniert werden“, so Spiecker.
Einzelmaßnahmen um einen ausgeglichenen Haushalt werden nie dauerhaft erfolgreich sein, wenn sie in einem chaotischen Wirtschaftssystem passieren, das aus den Fugen geraten ist, meinte sie. „Nur wenn eine koordinierte Lohnpolitik auf europäischer Ebene mit starken Gewerkschaften dafür sorgt, dass die Arbeitnehmerinnen gerecht entlohnt werden und dank fairer Gehälter die Binnennachfrage beleben, kann es gelingen, die starke Abhängigkeit von Ländern wie Deutschland, aber auch Österreich, von Exportüberschüssen, die zum Teil mit wertlosen Schrott-Krediten aus dem Ausland bezahlt werden, zu verringern“, ist die deutsche Ökonomin überzeugt. Standortwettbewerb müsse sich auf technologische Produktivitätssteigerung begrenzen und Konkurrenz darf nicht zur Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen führen, zum Abbau sozialer Errungenschaften, zum viel zitierten schlanken Staat oder zum Steuerdumping für Unternehmen.
Weitere Infos, aktuelle links und Kommentare unter: www.fspiecker.de
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